2. Macht Covid epigenetisch älter?

Nachtrag vom 15.08.2022

Dr. Gwen Bingle
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August 17, 2022

Das Thema "Covid und Altern" haben wir schon hier besprochen.

Eine neue longitudinale amerikanische Studie aus Daten, die von TruDiagnostic bereitgestellt wurden, und die Anfang Juni in frontiers in Genetics veröffentlicht wurde, zeigt erstaunliche Ergebnisse. Sie bekräftigt den Verdacht, dass sowohl eine überstandene Covid Erkrankung als auch eine verabreichte mRNA-Impfung einen (meist temporären) Einfluss auf das epigenetische Alter haben können – und dies in beiden Richtungen. Hier wurden verschiedene Probandengruppen vor und nach einer Covid-Erkrankung sowie vor und nach einer mRNA Impfung mithilfe verschiedener epigenetischer Uhren getestet. In beiden Fällen erscheint ein chronologisches Alter von plus oder minus 50 als Scheideweg, allerdings mit konträren Ergebnissen: eine überstandene Covid Erkrankung schien einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor 50 eher eine Verjüngung zu schenken – durch eine Aktivierung der Immunantwort oder durch sogenannte Hormesis (ein Ausgleich nach Stimulierung durch relativ milde Stressoren, der die allgemeine Gesundheit fördern kann). Dagegen mussten manche Probandinnen und Probanden über 50 eine gewisse Alterung erdulden – meist abhängig von der Verlaufsschwere. Hier verursachte die Krankheit Entzündungsprozesse, die mit dem Altern allgemein korrelieren. Ähnlich verzerrte aber meist umgekehrte Ergebnisse schienen mRNA-Impfungen hervorzurufen, jedoch Produkt- bzw. eventuell Dosierungs-abhängig. Aufgrund u.a. der bescheidenen Gruppengrößen sowie der kurzen Beobachtungsphasen sollten – statistisch betrachtet – weitere Studien durchgeführt werden. Dennoch wirken die Ergebnisse frappierend und zeigen vorerst, dass der Zeitpunkt der epigenetischen Testung teils gravierende (wenn nicht unbedingt permanente) Auswirkungen auf die Festsetzung des biologischen Alters haben kann. Für Menschen, die ihr biologisches Alter aus persönlichem Interesse testen lassen, bedeutet dies, dass es durchaus sinnvoll sein kann, nach Krankheit oder Impfung abzuwarten, bevor man die Testung vornimmt, um das Ergebnis nicht zu verzerren.

Referenz

Pang APS, Higgins-Chen AT, Comite F, Raica I, Arboleda C, Went H, Mendez T, Schotsaert M, Dwaraka V, Smith R, Levine ME, Ndhlovu LC, Corley MJ. Longitudinal Study of DNA Methylation and Epigenetic Clocks Prior to and Following Test-Confirmed COVID-19 and mRNA Vaccination. Front Genet. 2022 Jun 3;13:819749.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9203887/ (letzter Zugang: 15.08.2022)

Bild: © cottonbro https://www.pexels.com/de-de/foto/kunst-kopf-safe-portrat-3952240/ (letzter Zugang: 17.08.2022)

BEITRAG VON
Dr. Gwen Bingle
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